Zur Erhaltung der naturbelassenen Fläche „Auf Hofen II“

Es wird dort [gemeint ist „Auf Hofen II“ bei der ev. Kirche, Anm. der LBU] eine Wohnbebauung geben müssen“ soll der Bürgermeister laut Pressebericht vom 12.2. in der Gemeinderatssitzung am 10.2. gesagt haben. Auf Hofen II will die Investorengruppe Limberger und Rebholz vier Einfamilienhäuser und zwei Mehrfamilienhäuser bauen. Ausgewiesen ist das Areal im Flächennutzungsplan bislang als Grünanlage/Park.

Leserzuschrift von Tanja Bühler (LBU) zur Bürgerbefragung „Perspektiven im Herzen von Bad Dürrheim“

Nach viermonatiger Bearbeitungszeit liegt nun die Auswertungsdokumentation der Bürgerbefragung „Perspektiven im Herzen von Bad Dürrheim“ vor. Die Ausarbeitung des Büros PLAN:KOOPERATIV aus Heidelberg wirft bei intensiver Betrachtung der wörtlichen Beiträge der beteiligten Bürgerinnen und Bürger allerdings Fragen auf:

Zunächst ist festzustellen, dass aufgrund einer Fehlprogrammierung auf die Auswertung der „Likes“ verzichtet werden muss. Dies ist ärgerlich, weil dadurch eine hohe Zahl an Meinungsbekundungen verloren geht. Ein Blick auf die qualitativen Betrachtungen der Dokumentation zeigt, dass bei vielen Themen Einzelmeinungen herausgestellt und zitiert werden, gleichzeitig aber Meinungen, die zum selben Thema häufiger vertreten werden, kaum Beachtung finden. Dies zeigt sich beispielsweise deutlich bei der Darstellung zur Grünanlage Hofen II. Hier werden die überaus zahlreichen Beiträge zum Erhalt der Grünfläche kaum gewürdigt und verschwinden in der allgemeinen Aussage, dass Freiräume und Grünflächenverbrauch häufig als Thema genannt wurden. Es wird hier unzulässiger Weise nicht der Ort (nämlich Hofen II) genannt, auf den sich die vielen Beiträge beziehen. Auffallend ist auch die fehlerhafte Verortung zahlreicher Beiträge zu den Themen Hindenburgpark, Kurpark und Hofen II. Ob ausschließlich mangelnde Ortskenntnis der Grund dafür ist, sei dahingestellt. In jedem Fall aber verzerrt dieses Vorgehen das Ergebnis enorm.

Um wirklich Erkenntnisse aus der Bürgerbeteiligung ableiten zu können, genügt es nicht – wie hier geschehen – als Ergebnis allgemeine Zielkonflikte gegenüberzustellen, die ohnehin bekannt sind. Zu bestimmten Themen wie der Verkehrssituation in der Friedrichstraße oder dem Grünflächenerhalt Hofen II haben sich die Befragungsteilnehmer deutlich positioniert. Diese Positionierung muss auch in der Auswertung deutlich werden und darf nicht verschleiert werden. Damit das Stimmungsbild der Bürgerinnen und Bürger korrekt abgebildet wird, ist eine klare Benennung der Kernthemen und eine Quantifizierung der entsprechenden Beiträge notwendig.

Gemeinderäte und Bürgermeister haben die offensichtlichen Defizite der Auswertungsdokumentation erkannt und fordern auf Antrag der Liste für Bürgerbeteiligung und Umweltschutz in ihrem Gemeinderatsbeschluss vom 10.02.2020 Nachbesserung. Das ist gut so, weil die Bürgerinnen und Bürger zu Recht eine korrekte Einordnung und Würdigung ihrer Beiträge erwarten dürfen.

Tanja Bühler
14.02.2020


Leserbrief zum selben Thema von Karen Roeckl (Stadträtin der LBU)

Hofen II soll bebaut werden? Hat das tatsächlich unser Bürgermeister in der Sitzung gesagt? Vielleicht war der Wunsch Vater des Gedankens, denn das habe ich überhört. Soweit sind wir – hoffentlich – noch lange nicht.
Ohne für die anderen Fraktionen sprechen zu können und zu dürfen: In der Kritik über das Fazit der Ergebnisse der Bürgerbeteiligung waren sich alle einig. Und hier wurde überdeutlich, dass eine Bebauung in dieser sensiblen und schönen Grünfläche von den Bürgern nicht gewünscht wird. Eine Einschätzung, die übrigens auch die LBU teilt. In Bad Dürrheim sind im Moment sehr viele Wohnbebauungen geplant. Lohnt es sich da, für ein paar Wohneinheiten einen wunderschönen Park im Herzen der Stadt plattzumachen? Genau hier, in dem vielen Grün, liegt doch die Stärke von Bad Dürrheim! Besser, wir stecken mehr Energie in eine naturnahe Parknutzung von Hofen II und bessere Wegebeziehungen zwischen den einzelnen Parks.

In München käme auch keiner auf die Idee, den Englischen Garten zu bebauen, obwohl der doch so schön zentral liegt. Zudem sollten wir uns fragen, wo wir in Sachen Einwohnerzahl überhaupt hin möchten. Wieviele Neubürger kann Bad Dürrheim verkraften? Es fehlt ja jetzt schon an Infrastruktur; die Straßen zu schmal, die Parkplätze zu wenig, eine innerörtliche Buslinie nicht existent und die Kindergärten sind auch schon wieder überfüllt.

Wie unser Stadtbaumeister am Montag sagte: Gebaut ist schnell, aber ein Mobilitätskonzept braucht Jahre. So weit, so richtig – nur will das im Moment irgendwie keiner wissen. Denn jetzt ist ein Planungsbüro aus Heidelberg (ohne Ortskenntnis) am Zuge. Dieses Büro wird die Eckpunkte ohne momentan weitere Beteiligung des Gemeinderates, nur aufgrund eines „alten“ Eckpunktepapiers und den fragwürdigen Auswertungen der Bürgerbeteiligung setzen. Klar, das Fazit wird auf unseren Antrag hin nachgebessert. Trotzdem: Die Planung samt Gutachten geht nun ihren Lauf, noch dazu mit einem sehr sportlichen Zeitplan. Ich persönlich habe da ziemlich Bauchschmerzen. Die aufwändige Bürgerbeteiligung darf nicht zur Farce verkommen, sonst hätten wir alle uns Zeit, Energie und Geld sparen können.

Eine große Hoffnung gibt es allerdings: Das Gebiet ist als Park- und Grünfläche deklariert, es muss also zunächst eine Änderung im Bebauungsplan erfolgen. Dafür braucht es die Zustimmung des Gemeinderates. Meine gibt es dafür nicht und ich hoffe, dass viele andere auch so denken.

Karen Roeckl
13.2.2020


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